Mastering Praxis

Im Folgenden widmen wir uns konkret der Mastering Praxis! Das vorliegende Wissen ist direkt umsetzbar und entspricht quasi einer Anleitung zum Mastern!

Wir empfehlen, die einzelnen Schritte direkt umzusetzen und an ein paar Deiner Mixes anzuwenden! So bekommst Du Übung, denn letztlich macht ja nur die, bekanntlich, zum Meister!


Aufbereitung des Projekts

Erstelle ein neues Mastering-Projekt in Deinem Sequenzer und importiere die fertig abgemischten Song-Dateien auf eine jeweils separate Spur (wie dem Video-Ausschnitt zu entnehmen)!

Nun masterst Du nach und nach jeden Titel, indem Du ihn mit den nachfolgenden Effekten bearbeitest. Jeder Schritt wird hier kurz skizziert.

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Mehr über die Hintergründe, die Wahl des Mastering-Programms, die Aufbereitung eines Mastering-Projekts sowie vor allem die exakte Vorgehensweise in der Mastering Praxis findest Du im Praxis-Leitfaden MASTERING!


Mastering Praxis

Es folgt ein beispielhafter Ablauf, wie Du bei der Mastering Praxis Schritt für Schritt vorgehen kannst! Die einzelnen Schritte entsprechen dabei den einzelnen Effekten der Insert-Effekt-Kette beim Mastering!

Du lädst also in den ersten Insert-Effekt-Slot Deines Mastering Programms den ersten Effekt (Equalizer), in den zweiten Slot den Multiband Kompressor, usw.!


1. Insert Slot: Equalizer

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Zunächst wollen wir eventuelle Schwächen im Grundklang ausbessern. Hierzu schleifen wir einen EQ in den ersten Insert des Kanals ein.

Der erste und generell empfehlenswertere Schritt beim EQing ist immer das Absenken von Frequenzen. Anschließend erst schaust Du, ob Du mit Anhebungen einzelner Bereiche den Gesamtklang noch weiter aufbessern kannst.

(Mehr zum EQing beim Mastering im Praxis-Leitfaden MASTERING)!


2. Insert Slot: Multiband Kompressor

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Der Einsatz eines Multiband Kompressors stellt in meinen Augen die effektivste Form der Dynamikbearbeitung in der Mastering Praxis dar.

Wie gehst Du hier am besten vor? Zunächst einmal empfehle ich Dir – für den Einstieg – die Suche nach einem halbwegs geeigneten Pre-Set als Ausgangsbasis! Durchforste die Datenbank Deines Multiband Kompressors und wähle das am besten klingende Pre-Set aus.

Studiere nun die Parameter ein wenig. Normal wirst Du erkennen, dass z.B. die Attack-Zeit vom Bassband bis zum Höhenband immer weiter ansteigt. Schau Dir auch die anderen Parameter an. Auf diese Weise lernst Du schnell, welche Regelzeiten und Einstellungen sich für Deine Musikrichtung anscheinend gut eignen.

Nun passt Du, von dieser Grundlage aus, die Parameter weiter an! Meine Empfehlung: fange mit dem Threshold des Bassbandes an! Fahre den Regler zunächst wieder auf 0 dB zurück. Stelle das Band solo und verwende ggf. – für den genaueren Klangeindruck – einen Kopfhörer!

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Jetzt fahre den Treshold langsam immer weiter herunter – solange bis Dir das Signal ausreichend komprimiert erscheint! Es sollte griffig und präsent klingen und nicht so weit in den Hintergrund zurückfallen! Passe ggf. noch Attack und Release an. Die Ratio liegt beim Mastering generell in einem eher geringen Bereich von etwa 2:1.

Normal ist die Gain-Reduction im Bassbereich am höchsten, da gerade dieser von einer stärkeren Komprimierung profitiert. Die Dynamikbearbeitung beim Mastering sollte aber trotzdem nicht zu stark ausfallen; es geht hier nur darum, jedes Band nochmal etwas „an zu komprimieren“. Die generelle Dynamikbearbeitung ist ja bereits beim Mixing erfolgt!

Stelle nun die nächsten Bänder nacheinander solo und gehe ebenso vor: Fahre den Threshold langsam runter, bis das Signal leicht komprimiert wird und kompakter klingt!


3. Insert Slot: Bandsättigung (optional)

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Durch den minimalen Einsatz von Psychoakustikprozessoren lassen sich häufig noch ein paar Prozent mehr Hörvergnügen aus Deiner Produktion heraus kitzeln.

Gerade der geringfügige Einsatz eines Bandsättigungseffekts bringt in digitale Produktionen häufig noch das gewisse Etwas, in Form wohltuender Wärme, rein!

Wichtig ist hier – sowie generell beim Einsatz von Psychoakustikprozessoren beim Mastering – dass Du den Effekt nur so weit aufdrehst, bis Du ihn gerade wahrnehmen kannst, und ihn dann wieder ein Stück zurück fährst! Alles andere ist in der Regel zu viel!


4. Insert Slot: Enhancer (optional)

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Scheint es Deiner Produktion noch an klaren Höhen zu fehlen, so kannst Du einen Enhancer einsetzen. Dieser analysiert das vorhandene Höhensignal und verstärkt gezielt nur die Obertöne. Somit klingt er u.U. etwas seichter als eine generelle Anhebung der Höhen mittels EQ, weil dort alle Frequenzanteile verstärkt werden, nicht bloß die Obertöne.


5. Insert Slot: Stereo Expander (optional)

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6. Insert Slot: Equalizer (technisch)

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Bereits zu Anfang hatten wir einen EQ eingesetzt. Dieser wurde vor allem klanglich genutzt, sprich störende Frequenzanteile haben wir abgesenkt sowie einige Bereiche verstärkt, was insgesamt zu einem verbesserten Klangbild geführt hat.

Eine Sache solltest Du jedoch noch tun: einen Low-Cut schalten, der die tiefsten Frequenzanteile, die auf praktisch keiner Abhöre abgebildet werden, herausschneiden! Grenzfrequenz: höchstens 35 Hz! Bei MP3-Veröffentlichungen empfiehlt sich zudem ein Hi-Cut bei 18 kHz.


7. Insert Slot: Limiter/Loudness Maximizer

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Teils kann die Reihenfolge der Effekte in der Mastering Praxis variieren. Zum Abschluss der Kette sollte jedoch stets ein Limiter eingeschleift werden bzw. besser noch ein speziell für das Mastering entwickelter Loudness-Maximizer. Dieser dient einerseits zum Begrenzen der Höchstlautstärke auf die in der digitalen Welt maximal möglichen 0 dB sowie andererseits zum Erhöhen der gefühlten Lautstärke, sprich der Lautheit.

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Gute Loudness-Maximizer schaffen es die Lautheit – ohne weitere Verfremdungen des Grundklangs – erheblich zu maximieren.

Hierzu drehst Du den Input-Regler (oder Threshold) auf. Je weiter Du den Regler hochfährst, desto höher ist die Lautheit und desto stärker wird das Signal komprimiert!

Hier ist es absolut entscheidend, das genaue Mittelmaß zwischen ordentlicher Lautheit und sauberem Klang zu finden! Fährst Du den Regler zu weit auf, so ist die Lautheit zwar schön hoch, der Klang jedoch leidet – Du erhältst plattgepressten Einheitsbrei! Außerdem strengt eine zu hohe Lautheit das Gehör an und kann nicht als angenehm empfunden werden.


8. Insert Slot: Dither

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Liegt die Bitrate über der für die CD erforderlichen 16-Bit, so musst Du diese abschließend mittels Dithering anpassen. Hierzu bieten die meisten Sequenzer und Mastering-Programme ein eigenes Plug-In, das diese Aufgabe hervorragend meistert. Enthält der Maximizer bereits ein integriertes Dithering (so wie auch der unter 7. abgebildete L2 Maximizer von Waves), so kannst Du natürlich einfach dieses nutzen.


Exportieren und Brennen

Wende die Effekte nach und nach auf jedem Titel an! Vergleiche Deine Ergebnisse mit Profi-Produktionen: ist der Klang ähnlich? Die Frequenzverteilung optimal? Ist der Bassbereich bei Dir zu laut? Die Höhen zu stechend? Ist die Dynamik zu groß, sprich der Song klingt nicht schön kompakt auf einer Ebene, sondern Signalanteile fallen zu weit in den Hintergrund zurück? Spüre sämtliche Probleme auf und behebe diese! Lass Dir dabei Zeit!

Ist alles ok, so kannst Du jeden Titel einzeln exportieren (als WAVE-Datei 16 Bit / 44,1 Khz) und alle zusammen als Audio-CD (Redbook Format) brennen, am besten aus dem Mastering-Programm heraus.

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