Hall

Der Hall zählt zu den Effekten, wo auch Laien eine ungefähre Vorstellung haben, was es damit auf sich hat. Doch was ist Hall nun genau? Und wofür wird Hall in der Tontechnik und Musikproduktion eingesetzt? Antworten gibt es hier…


Hall

Ein Hall (englisch: Reverb) dient zur Erzeugung eines künstlichen Raums und simuliert somit die räumliche Platzierung eines Signals. Zum erfolgreichen Arbeiten mit einem Hall sind einige Grundlagen erforderlich. Schauen wir uns daher zunächst einmal an, wie natürlicher Hall in einem Raum entsteht.

Auf der Abbildung siehst Du einen Raum mit einer Schallquelle und einem Hörer:

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Der Schall breitet sich in alle Richtungen aus und trifft dabei auf sämtliche Objekte und Begrenzungen des Raums – also vor allem Wände, Boden und Decke. Es entstehen zahllose einzelne Echos (bis zu 50.000 pro Sekunde!), die jeweils unterschiedliche Wege von der Schallquelle bis zum Hörer zurücklegen. Ein Raum bietet praktisch unendlich viele solcher Schallwege. Dabei werden einige Schallwellen auf unmittelbaren Weg zum Hörer gelangen. Hierbei handelt es sich um den Direktschall, also praktisch um das eigentliche Original-Signal.


Early Reflections

Einige Schallwellen hingegen treffen zuerst auf eine Wand oder ein im Raum befindliches Objekt und werden reflektiert. Diese Reflexionen werden dann von dort aus zum Hörer geworfen und erreichen das Ohr aufgrund des längeren Weges, den sie zurücklegen, etwas später als der Direktschall. Hierbei handelt es sich um die sogenannten frühen Reflexionen – die Early-Reflections –, welche aufgrund ihrer relativ geringen Anzahl noch als einzelne Echos wahrzunehmen sind.

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Diffusschall

Allerdings werden viele Schallwellen nicht bloß ein- oder zweimal reflektiert, sondern zunächst mehrmals zwischen verschiedenen Objekten und Begrenzungen des Raums hin und her geworfen, bevor sie das Gehör erreichen. Die einzelnen Reflexionen legen dabei jeweils einen anderen Weg zurück und treffen letztendlich mit unterschiedlich langer zeitlicher Verzögerung beim Hörer ein. Aufgrund der Vielzahl an Reflexionen, die nun beim Hörer eintreffen, ist der zeitliche Abstand zwischen den einzelnen Echos so gering, dass diese nicht mehr getrennt voneinander wahrzunehmen sind, sondern sich zu einer Hallwolke verdichtet haben – dem so genannten Diffusschall.


Pre-Delay

Der zeitliche Abstand zwischen dem Hören des Direktschalls bis zum Eintreffen der Hallwolke wird als Pre-Delay bezeichnet.


Letztendlich erreichen den Hörer also mehrere Signale: Zunächst der Direktschall, sprich das eigentliche Original-Signal; kurz danach die Early-Reflections, also die ersten Echos, die noch getrennt voneinander wahrzunehmen sind; und zuletzt der Diffusschall, also die eigentliche Hallfahne, bei denen die einzelnen Reflexionen sich zu einer Hallwolke verdichtet haben und nun nicht mehr voneinander abzugrenzen sind.

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Parameter

  • Raumtyp: Meist als Algorithmus oder Type bezeichnet; hiermit legst Du den Grundalgorithmus, sprich den grundlegenden Typ des Halls, fest. Es handelt sich nicht um einen wirklichen Parameter, sondern um eine Vorgabe (Pre-Set) für alle anderen Parameter. Wählst Du z.B. als Raumtyp „Cathedral“, so stellt das Gerät die Werte der einzelnen Parameter automatisch so ein, dass sich daraus der Hall einer Kathedrale ergibt. Durch die Wahl des Raumtyps werden also sämtliche Parameter bereits voreingestellt und können dann bei Bedarf nachjustiert werden. Je nach Gerät steht Dir eine Vielzahl von verschiedenen Raumtypen zur Verfügung.
  • Pre-Delay: Auch als Initial-Delay bezeichnet; Legt den zeitlichen Abstand zwischen dem Direktschall und dem Einsetzen des Diffusschalls fest. Dies geschieht anhand der Eingabe der Vorverzögerungszeit in Millisekunden (ms). Das Pre-Delay hat einen großen Einfluss auf das Empfinden der Raumgröße: je später der Diffusschall einsetzt, desto größer erscheint dem Hörer der Raum.
  • Raumgröße: Meist als Room-Size bezeichnet; Hiermit legst Du die Raumgröße fest, oft anhand einer dimensionslosen Größe (z.B. einer Zahl zwischen „0“ und „100“) oder auch als tatsächliche Größe in Kubikmetern – teilweise sogar nach Länge, Breite und Höhe getrennt.
  • Nachhallzeit: Meist als Reverb-Time (dt.: Hallzeit) oder auch Decay bezeichnet; hiermit bestimmst Du die Dauer des Nachhalls, sprich die Länge der Hallfahne.
  • High-Frequency-Damp: Meist als Hi-Damp o.ä. bezeichnet; Dient zum Dämpfen der hohen Frequenzen, indem es die Nachhallzeit dieser festlegt. Es handelt sich hierbei also nicht um eine Frequenzbearbeitung mittels Equalizer, sondern wiederum um eine Regelung der Hallzeit. Dazu wird eine dimensionslose Größe oder manchmal auch ein Prozentwert angegeben. Diese wird dann mit dem unter Nachhallzeit festgelegten Wert multipliziert. Beispiel: Hast Du die Hallzeit mit 2 Sekunden und den Hi-Damp-Wert mit 0,5 festgelegt, so beträgt die Hallzeit der hohen Frequenzen lediglich noch 1 Sekunde (2sec Hallzeit x 0,5 Hi-Damp = 1). Die gleiche Rechenformel gilt auch, wenn der Hi-Damp-Wert anhand einer Prozentzahl angegeben wird. Unsere Beispielrechnung wäre dann also: 2sec Hallzeit x 50% Hi-Damp / 100 = 1.
  • Mix-Regler: Mit diesem Regler kannst Du das Verhältnis (Balance) zwischen Original- und Effekt-Signal festlegen. Je höher Du den Regler also aufdrehst, desto höher ist die Effekt-Stärke.
  • Volume: Meist als Output bezeichnet; Dient zur Regelung der Lautstärke des Effekt-Signals.

Anwendungen

Ein Hall wird in der Regel als Send-Effekt beim Mixdown eingesetzt. Dabei dient er vor allem zur Tiefenstaffelung der einzelnen Signale: Je höher der Hallanteil bei einem Signal ist, desto weiter rückt dieses in den Hintergrund. Auf diese Weise lassen sich die Signale mittels Hall also räumlich anordnen.

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Soll ein Signal im Mix weiter hinten lokalisiert werden, so erhöhst Du den Hallanteil entsprechend. Soll ein Signal weiter vorn geortet werden, sollte der Direktanteil höher sein.

Wichtige Einzelsignale wie der Gesang und die Hauptinstrumente sollten nicht durch zu starken Halleinsatz bis zur Unkenntlichkeit bearbeitet werden – sie sollten deutlich im Vordergrund des Mix zu erkennen bleiben.

Auch Rhythmusinstrumente (Drums, Bass) sollten nicht zu stark bearbeitet werden – hier kommt es vor allem auf die eindeutige Übermittlung des rhythmischen Grooves an. Durch zuviel Hall würde der Rhythmus bloß verschwimmen.

Alles in allem sollten aber ausreichend viele Instrumente mit einem Hall versehen werden. Ein guter Mix zeichnet sich dabei durch eine ausgeglichene Tiefenstaffelung aus. Du solltest also die wichtigen Signale in den Vordergrund mischen und alle anderen in der Tiefe so positionieren, dass eine stufenweise Staffelung entsteht. Dazu kannst Du z.B. für verschiedene Signale ein und denselben Hall verwenden und dabei den Hallanteil bei den einzelnen Signalen unterschiedlich stark einstellen. Zur allgemeinen Tiefenstaffelung eignet sich ein kleiner Raum mit kurzer Nachhallzeit und ohne Pre-Delay.

Achte vor allem darauf, eher nicht zu viel Hall zu verwenden, dafür aber möglichst gezielt, sprich den richtigen Hall bei den richtigen Signalen.


Eine genaue Beschreibung zum Verhallen sämtlicher Instrumente sowie des Gesangs (inklusive entsprechender Richtwerte) findest Du in meinem Buch Praxis-Leitfakden EFFEKTE!

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