Equalizer

Der Equalizer ist der mit am meisten verwendete Klang-Prozessor in der Musikproduktion. Nicht nur in der professionellen Tontechnik, auch an vielen Stereoanlagen findest Du einen Equalizer, in den Musikwiedergabe-Einstellungen Deines Handys, im Media Player des Computers…


Was ist ein Equalizer?

Equalizer – kurz: EQ – dienen zur Anhebung oder Absenkung einzelner Frequenzbereiche. Die Einheit, in der eine Frequenz gemessen wird, ist Hertz (kurz: Hz). Das menschliche Gehör nimmt Frequenzen zwischen etwa 20 und 20.000 Hz wahr.

„20 Hz“ ist also die tiefste, noch hörbare, Frequenz, und „20.000 Hz“ die höchste, noch hörbare, Frequenz.

Bei Frequenzen im Tausender-Bereich spricht man in der Regel nicht von z.B. „5.000 Hz“, sondern von „5 Kilo Hertz“, was beim Schreiben noch auf „5 kHz“ abgekürzt wird.

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Im Allgemeinen lässt sich der vom Menschen hörbare Frequenzbereich grob in drei unterschiedliche Bereiche einteilen: Tiefen, Mitten und Höhen. Ein Signal enthält in der Regel jeweils unterschiedlich stark ausgeprägte Anteile in jedem dieser Bereiche. Eine Bassgitarre besitzt beispielsweise einen ausgeprägten Tiefenanteil, während Höhen und Mitten weniger stark bis gar nicht vorhanden sind. Eine Hi-Hat dagegen liegt vorwiegend im Höhenbereich, besitzt also weniger bzw. keine Tiefen und Mitten.

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Mit einem Equalizer können einzelne Frequenzbereiche bearbeitet werden, mit dem Ziel eine positive Veränderung des Klangs zu bewirken. Soll ein Signal z.B. dumpfer klingen, so kannst Du die Höhen absenken. Soll es transparenter und brillanter klingen, hebe die Höhen an. Soll das Dröhnen eines Signals entfernt werden, senke die Tiefen ab (weitere Anwendungsbeispiele findest Du in der Tabelle unten).

Jeder Kanal eines Sequenzerprogramms enthält einen integrierten Equalizer, mit dem Du das jeweilige Kanalsignal bearbeiten kannst.

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Typen von Equalizern: den parametrischen und den grafischen.


Grafischer Equalizer

Der grafische Equalizer besitzt mehrere Schieberegler mit denen jeweils ein bestimmter Frequenzbereich angehoben oder abgesenkt werden kann. Die Anzahl der Frequenzbereiche, die bearbeitet werden können, ist von Gerät zu Gerät verschieden. Man spricht hier auch von Bändern: mit einem 10-bandigen Equalizer können 10 verschiedene Frequenzbereiche unabhängig voneinander geregelt werden.

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Die Abbildung zeigt als Beispiel einen 10-bandigen Grafik-EQ. Die einzelnen Frequenzbereiche, auf die der jeweilige Schieberegler Einfluss nimmt, kannst Du hier ablesen. Der erste von links dient demnach zur Regelung des Frequenzbereichs bei 30 Hz. Schiebe den Regler hoch, so wird dieser Frequenzbereich angehoben. Schiebst Du ihn runter, wird der Bereich abgesenkt.

Da die einzelnen Frequenzbereiche fest vorgegeben sind – man die Frequenz also nicht selbst wählen kann – handelt es sich bei dem grafischen Equalizer um einen sogenannten Festfrequenz-Equalizer. Und genau dies ist auch der Nachteil des grafischen Equalizers: Möchte man genau einen bestimmten Frequenzbereich damit bearbeiten, so ist dies nur möglich, wenn das Gerät zufällig auch für genau diesen Bereich einen Regler zur Verfügung stellt.

Dazu ein Beispiel: Angenommen, Du möchtest mit dem auf der Grafik abgebildeten Equalizer den Bereich bei 300 Hz anheben, so ist das nicht möglich. Du kannst lediglich einen der anliegenden Regler verwenden und damit den nächstgelegenen Frequenzbereich anheben.

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Demnach kann man mit dem grafischen Equalizer nicht genau genug arbeiten, weswegen sein Einsatz in der Musikproduktion auch in vielen Situationen nicht zufriedenstellend ist. Stattdessen verwendet man eine andere Form von Equalizer: den parametrischen. Denn mit diesem kannst Du den zu bearbeitenden Frequenzbereich selbst auswählen…


Parametrischer Equalizer

Beim parametrischen Equalizer kannst Du den zu bearbeitenden Frequenzbereich selbst bestimmen. Dazu steht Dir ein bestimmter Regler zur Verfügung, welcher meist einfach mit Frequenz oder ähnlich beschriftet ist. Mit diesem Regler kannst Du also die Frequenz in Hertz (Hz) bestimmen: Drehst Du den Regler auf, so wählst Du eine höhere Frequenz, regelst Du ihn herunter, so wird ein entsprechend niedrigerer Frequenzbereich bearbeitet.

Wiederum kannst Du natürlich auch den Grad der Bearbeitung bestimmen, also wie stark der jeweilige Frequenzbereich angehoben oder abgesenkt werden soll. Dazu steht ein weiterer Regler zur Verfügung, der oftmals mit Gain bezeichnet wird. Du bestimmst also zunächst mit dem Frequenz-Regler den zu bearbeitenden Frequenzbereich und legst dann mit dem Gain-Regler die gewünschte Anhebung bzw. Absenkung fest!

Folgende Abbildung zeigt als Beispiel eine 5 dB Anhebung bei 500 Hz mit einem parametrischen Equalizer, dem in Cubase enthaltenen StudioEQ.

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Q-Factor

Ein EQ-Filter bearbeitet übrigens nie nur genau eine Frequenz, sondern immer auch einen gewissen Bereich, der um diese Frequenz herumliegt. Wählst Du – wie in unserem Beispiel – eine Anhebung bei 500 Hz, so wird auch ein mehr oder weniger großer Bereich um diese 500 Hz herum mit angehoben. Eine solche Bearbeitung könnte dann – wie in etwa auch auf der Abbildung zu sehen – schon bei ca. 150 Hz beginnen, bei 500 Hz ihren Höchstpunkt erreichen, und dann langsam bis ca. 2 kHz wieder abfallen. Bei den gewählten 500 Hz spricht man von der sogenannten Mittenfrequenz, was also die Frequenz ist, bei der die Bearbeitung am stärksten ist.

Wie groß der insgesamt bearbeitete Frequenzbereich letztlich genau ist, bestimmst Du mit einem weiteren Regler, der meist als Q-Faktor (oder ähnlich) bezeichnet wird.

Dieser legt also die Breite des bearbeiteten Frequenzbandes fest, die sogenannte Bandbreite. Je höher der Q-Wert ist, desto schmaler ist der Frequenzbereich, der durch das Filter bearbeitet wird. Wählst Du beispielsweise einen Q-Faktor von „0,3“, so wird ein breiterer Frequenzbereich bearbeitet als bei einem Faktor von „3“.

Fazit für die Praxis: soll nur ein bestimmter Frequenzbereich möglichst gezielt, sprich schmalbandig, bearbeitet werden, so wähle einen hohen Q-Wert, ansonsten einen niedrigen.

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Auf den beiden Abbildungen siehst Du eine 5 dB Anhebung bei 500 Hz, links mit einem niedrigen Q-Wert und rechts mit einem hohen.

PS: In meinem Praxis-Leitfaden EFFEKTE wird Dir der parametrische Equalizer und dessen Anwendung ausführlich anhand eines Videos veranschaulicht (zum Buch gehören zahlreiche Videos)!


Filter Charakteristiken

Bisher sind wir immer von einfachen Filtercharakteristiken (Filterformen) ausgegangen, sprich einfachen Anhebungen bzw. Absenkungen bestimmter Frequenzbereiche. Jedoch gibt es verschiedene Formen von Filtern, welche grundlegend in zwei verschiedene Typen eingeordnet werden.


Peak Filter

Zunächst einmal die sogenannten Peak-Filter, welche Du schon kennst. Es handelt sich dabei nämlich um nichts anderes als einfache Anhebungen bzw. Absenkungen eines Frequenzbereichs. Aufgrund der – grafisch betrachtet – Glocken-ähnlichen Form, werden Peak-Filter auch als Bell- bzw. Glocken-Filter bezeichnet.

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Wird eine Frequenz gezielt angehoben oder abgesenkt, handelt es sich immer um ein Peak-Filter. Wie stark die Bearbeitung ist, welche Frequenz bearbeitet wird, oder wie die Bandbreite ist, spielt dabei keine Rolle.


Shelving Filter

Neben den Peak-Filtern gibt es noch die sogenannten Shelving-Filter – auch Kuhschwanzfilter genannt –, welche die Frequenzen ab einer bestimmten Grenzfrequenz absenken bzw. anheben. In diesem Fall wird der zu bearbeitende Frequenzbereich nicht anhand der Eingabe einer bestimmten Mittenfrequenz gewählt, sondern durch die Wahl einer Grenzfrequenz, oberhalb bzw. unterhalb derer alle weiteren Frequenzen gleichermaßen abgesenkt oder angehoben werden.

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Bei vielen Equalizern lässt sich im untersten und obersten Band ein Shelving-Filter schalten, damit man die Frequenzen nach unten bzw. oben hin begrenzen kann. In unserem Beispiel werden die tiefen Frequenzen unterhalb von 60 Hz mittels Shelving-Filter gleichermaßen abgesenkt, sowie die Frequenzen oberhalb von 8.000 Hz angehoben.

Möchtest Du alle Frequenzen unterhalb von 50 Hz gleichermaßen um 6 dB absenken, so ist dies mit einem Peak-Filter nicht möglich. Dieser würde lediglich die 50 Hz wie gewünscht um 6 dB absenken, die darunter liegenden Frequenzen jedoch nicht. Setzt Du aber ein Shelving-Filter ein, so werden alle Frequenzen unterhalb der gewünschten Grenzfrequenz gleichermaßen abgesenkt.

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Links siehst Du den Versuch der Tiefbass-Entfernung mit einem Peak-Filter, rechts das Gleiche mit einem Shelving-Filter.

Bei Equalizern ist es daher oftmals so, dass sich das oberste Band (Höhenband) und das unterste Band (Bassband) als Shelving-Filter verwenden lassen. Dazu steht dann in der Regel ein Schalter zur Verfügung, mit dem man zwischen Peak und Shelving umschalten kann.


Low Cut

Beim Low Cut handelt es sich um einen speziellen Filtertypen, der zum Absenken der Tiefen eines Signals dient. Hierzu wählst Du eine Grenzfrequenz, unterhalb der alle weiteren Frequenzen abgeschnitten (geCUTet) werden.

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Low-Cut-Filter werden unter anderem auch als High-Pass bezeichnet, was soviel bedeutet wie „Höhen durchlassen“ (Höhen=High; Pass=durchlassen). Die Tiefen werden also herausgeschnitten, während die Höhen „durchgelassen“ werden.

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Inzwischen bietet das erste Band eines Equalizers fast immer eine Funktion zur Schaltung eines Low-Cut-Filters. Der Low-Cut kommt letztlich einem Shelving-Filter ähnlich, nur dass hier die Frequenzen unterhalb der gewählten Grenzfrequenz nicht gleichermaßen um einen bestimmten Wert abgesenkt werden, sondern mit tiefer werdender Frequenz immer stärker abgesenkt werden. Folgende Abbildungen machen bei Vergleich den Unterschied deutlich.

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Beim Low-Cut links fallen die tieferen Frequenzen immer weiter ab, während rechts beim Shelving-Filter die Absenkung gleichmäßig und weniger stark erfolgt.

Low-Cut-Filter befinden sich übrigens oft auch in Mikrofonen, Mikrofon-Vorverstärkern und Mischpulten als sogenannte Trittschallfilter, wo sie also zum Dämpfen von tieffrequenten Störgeräuschen dienen. Zudem enthalten auch Synthesizer meist einen Low-Cut-Filter, der zur Klangformung eingesetzt wird – schneidet man die Tiefen eines Sounds heraus, so klingt er weniger warm.


Low Cut ist Standard

Ohnehin ist der Low-Cut die am häufigsten verwendete Form von Klang-Prozession. Ich persönlich empfehle in fast jeder Spur mit einem Low-Cut zu arbeiten – je nach Signal mit unterschiedlicher Grenzfrequenz. Bei Stimmen bspw. wird der Bassanteil nicht weiter benötigt, da er weder prägnant zum Klang der Stimme beiträgt noch irgendwelche für den Mixdown wichtigen Anteile dieser übermittelt. Im Gegenteil: der Bassanteil macht den Klang, vor allem in Kombination mit anderen Signalen/Instrumenten, wummrig und unklar. Daher empfiehlt sich der Einsatz eines Low-Cuts mit einer Grenzfrequenz bis ca. 180 Hz.

Genauso kannst Du bei fast allen anderen Signalen vorgehen, wobei Du jedoch – wie gesagt – stets die Grenzfrequenz abstimmst.

Lediglich Bass und Bassdrum haben im Tiefenbereich etwas zu melden. Selbst hier kannst Du aber teilweise tiefste Subbass-Frequenzen, die schlichtweg wummern und dröhnen resp. Störsignal enthalten, raus cutten.


Die Frequenzbereiche

Allgemeine Klangformungen erreichst Du durch Anhebungen bzw. Absenkungen in den entsprechenden Frequenzbereichen. Folgende Tabelle kann Dir hierzu eine Orientierung bieten.

Soll bspw. ein Signal weiter in den Vordergrund rücken und präsenter klingen, so kannst Du es im Bereich zwischen etwa 5 und 8 kHz anheben. Wünschst Du eine möglichst offene, schon fast zischelnd klingende Hi-Hat, so hebe diese im Bereich zwischen etwa 8 und 20 kHz an, usw.

Band Frequenzbereich Positive Klangeigenschaft Negative Klangeigenschaft
Tiefen 20-100 Hz Fundament Rumpeln
Unterhalb von 40 Hz sollten keine Signalanteile mehr liegen, da dieser Bereich die Abhöranlage sehr stark beansprucht. Bis 100 Hz sollte dann ausschließlich die Bassdrum sein (Regelfall), während der Bass im Bereich darüber liegt.
100-250 Hz Druck Dröhnen
Anhebungen hier können zu einem volleren Klang führen. Auf Frequenz-Überlagerungen mit dem Bass ist zu achten.
Untere Mitten 250-600 Hz Wärme Matsch
Hier befinden sich oft wärmegebende Harmonieinstrumente wie tiefe Strings oder Pianos. Andere Instrumente hier ggf. absenken, gerade wenn diese undefinierten und dumpfen Klang aufweisen.
600 – 1.500 Hz Durchsetzung Quäken, Näseln
Hier haben fast alle Signale Anteile. Bei nasalem Stimmenklang hier absenken.
Obere Mitten 1.500 – 5.000 Hz Definition, Artikulation Stechen
Breitbandige Anhebungen bei 3 KHz führen zu einer verbesserten Sprachverständlichkeit und höherem Durchsetzungsvermögen im Mix. Dies generell prüfen, da die Stimme das wichtigste Signal eines Songs ist. Hauptstimmen dabei stärker anheben als Hintergrundstimmen.
Höhen 5.000 – 8.000 Hz Präsenz Schneiden
Hier befinden sich sämtliche hohe Harmonieinstrumente wie E-Pianos, Streicher und viele Synthesizer-Sounds. Außerdem liegt hier der Präsenzbereich eines Signals: Anhebungen bringen es im Mix nach vorne, Absenkungen lassen es nach hinten rutschen.
8.000 – 20.000 Hz Transparenz, Brillanz Zischeln
In diesem Bereich befinden sich bis ca. 12 kHz noch Becken, Hi-Hats, Zischlaute, perkussive Elemente sowie die hochfrequenten Anteile vieler Instrumente. Anhebungen können zu einem transparenteren Klangbild führen, wobei es bei zu starken Anteilen aber zu einem kalten und künstlichen Klang kommen kann (bei natürlichen Klängen beginnen die Höhen normal ab ca. 12 kHz kontinuierlich abzufallen).

In meinem Buch „Praxis-Leitfaden EFFEKTE“ findest Du vieles Weitere zum Thema Equalizer, unter anderem auch genaue Beschreibungen zur Bearbeitung sämtlicher Signale inklusive entsprechender Richtwerte und Video-Tutorials!

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Ansonsten geht es weiter mit dem Kompressor!

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